Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes...
Peter Hess
Körper, Geist und Seele im (Ein-)Klang

Monika Neuwinger

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

EMDR

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung bedeutet. EMDR ist eine Methode der Traumatherapie und wurde Ende der 80er Jahre von Francine Shapiro in den USA entdeckt und weiterentwickelt. Sie basiert auf dem Phänomen, dass stark belastende Gedanken als weniger belastend erlebt werden oder sogar ganz verschwinden, während die Augen einer Bewegung folgen.

EMDR – wie muss ich mir das vorstellen?

Unser Gehirn verfügt über natürliche Verarbeitungsmechanismen und verarbeitet Erlebnisse, indem es diese in einem Teil unseres Gedächtnisses als erledigt ablegt. Bei Erlebnissen, die sehr starke Gefühle wie z. B. Angst, Wut oder Trauer auslösen, funktioniert dieser Verarbeitungsmechanismus nicht wie üblich. Einzelne „Bruchstücke“ werden dann nicht mehr zur Verarbeitung weitergeleitet und können somit nicht als zusammenhängende Erinnerungsgeschichte gespeichert werden. Stattdessen werden sie als wilde Sammlung bzw. einzelne Fragmente von Bildern, Gefühlen, Stimmen, Geräuschen in unserem Gedächtnis abgelegt. Und das Erlebte wird durch ähnliche Situationen oder Auslöser wieder unkontrolliert hervorgerufen.

Wie kann EMDR hier helfen?

Nach der Aufklärung des Patienten erarbeiten Therapeut und Patient zunächst eine ausführliche Anamnese (Krankheitsgeschichte). Anhand dieser diagnostiziert der Therapeut das Trauma bzw. das zu bearbeitende Thema und seine Symptome. Das geschieht alles in einem sicheren und wertschätzenden Umfeld, damit der Patient sich wohlfühlen und öffnen kann. Darauf folgt eine Stabilisierungsphase, in welcher z. B. Ressourcen und ein sicherer Ort etabliert werden.

Erst dann folgt die Bearbeitung der belastenden Erinnerung: Patient und Therapeut gehen gemeinsam die Erinnerungen an die Traumasituation bzw. das Erlebte durch. Während sich der Patient an das Ereignis und an damit zusammenhängende Situationen erinnert, führt der Therapeut eine bilaterale (zweiseitige) Stimulation der Augen durch, in dem er vor dem Gesicht des Patienten seine Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. Das hilft dem Patienten dabei, seine belastenden Erinnerungen einzelner "Bruchstücke" zu einer abgeschlossenen Erinnerungsgeschichte zu verarbeiten – die belastenden Bilder, Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle verlieren dabei meistens ihren belastenden Charakter. Die Augenbewegungen ähneln denen des REM-Schlafs, jener Phase des Schlafes, indem die Geschehnisse des Tages verarbeitet werden. In den EMDR-Sitzungen müssen dabei nicht alle Details des Erlebten ausgesprochen werden - manche Aspekte oder Bilder werden von den Betroffenen so erlebt, dass hierfür schwer Worte gefunden werden können oder vielleicht auch nicht vorhanden sind. Im EMDR dürfen diese unausgesprochen bleiben, trotzdem kann intensiv daran gearbeitet werden.

Bei EMDR ist der Patient bei vollem Bewusstsein, der Bewusstseinszustand wird nicht verändert – es handelt sich hierbei nicht um Hypnose. EMDR ist wissenschaftlich als Methode international anerkannt, da seine Wirksamkeit durch zahlreiche Studien belegt ist.

EMDR - warum macht das nicht jeder?

So effektiv EMDR ist – so ist es falsch angewandt auch gefährlich, da EMDR nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen auskommt, z. B. besteht die Gefahr einer Re-Traumatisierung. Deswegen erkundigen Sie sich bitte vor einer Behandlung, ob der von Ihnen gewählte Therapeut nach den vorliegenden Protokollen, Standards und Richtlinien arbeitet.

EMDR ist kein Wundermittel – wie jede andere Therapieform kann es nur angewendet werden, wenn der Patient ernsthaft bereit ist, aktiv in der Therapie mitzuarbeiten. Auch muss die Bereitschaft gegeben sein, einen eventuell entstandenen sekundären Krankheitsgewinn aufzugeben.

EMDR - Anwendungsgebiete

Ursprünglich wurde EMDR zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung eingesetzt. Aber auch bei anderen Themen zeigt sich die Methode effektiv – insbesondere, wenn belastende Ereignisse eine bedeutsame Rolle bei der vorhandenen Problematik spielen. Auch bei alltäglichen Beschwerden und den vielfältigen Herausforderungen des Lebens kann EMDR genutzt werden und ist gut geeignet für die Verstärkung und Erarbeitung von Ressourcen, posititiven Zuständen und Zukunftsvisionen.

Anwendungsmöglichkeiten auch hier in der Praxis können z. B. sein: 

  • Ressourcenarbeit
  • Auswirkungen belastender Lebenserfahrungen
  • starke Trauer nach Verlusterlebnissen
  • Folgen von Bindungstraumatisierungen
  • Angst- und Panikstörungen
  • Umgang mit chronischen Erkrankungen oder Schmerzen

Bindungstraumatisierungen - was ist das denn?

Auch Erfahrungen körperlicher bzw. emotionaler Vernachlässigung in der Kindheit können erhebliche Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, Fühlens und auch der Interaktion mit der Umwelt nach sich ziehen. Dabei muss es sich nicht immer um einzelne, schlimme Ereignisse handeln. Viele Menschen sind in ihrer Kindheit chronisch traumatisiert worden, ohne dass sie sagen würden, sie seien misshandelt oder vernachlässigt worden. Und ohne dass seitens der Eltern oder Bezugspersonen eine Absicht dahinter gesteckt hat. Es kann jedoch grenzwertige Erlebnisse wie Strafen, Trennungen, Auseinandersetzungen, Missachtung, Kritik, Liebesentzug oder auch Hänseleien von Gleichaltrigen gegeben haben, die in ihrer Summe eben doch zu einem Trauma führen können.

EMDR soll bei Schmerzen helfen?

Dabei steht weniger das Ziel im Vordergrund, Ihre Schmerzen auszuschalten - doch eine Therapie kann Ihnen helfen, einen anderen Umgang mit den Schmerzen zu finden und so wieder ein gutes Maß an Lebensqualität zurückgewinnen, unabhängig von Ihren Beschwerden. Hier bieten EMDR sowie die Verhaltenstherapie gute Ansätze.

Interessant... und wie bekomme ich weitere Informationen?

Das Thema EMDR ist umfangreich und kann nicht vollständig auf einer einzigen Seite dargestellt werden. Sollten Sie weitere Informationen wünschen, vereinbaren Sie doch einfach einen Termin. Ich bin für Sie da und wir überlegen gemeinsam, ob EMDR für Sie eine Form der Therapie darstellen könnte.

Eltern biete ich auch EMDR für Babys an.