Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes...
Peter Hess
Körper, Geist und Seele im (Ein-)Klang

Monika Neuwinger

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Ausbruch aus dem Hamsterrad

Sie sind engagiert im Job. Sie sind in dem, was Sie tun, richtig gut! Und nebenbei tun Sie alles für die Familie, die Freunde. Sie machen immer mehr, verausgaben sich – und denken, gut ist nicht genug... Routine ist Stillstand, Rückschritt... deswegen geht es weiter, immer weiter...

Das Wort „burn“ in burn-out bedeutet "brennen". Brennen für den Job, die Familie, ein Hobby. Ich höre häufig: Wer in der heutigen Arbeitswelt nicht über ein Zuviel an Arbeit, an Stress, an Terminen spricht, der wird nicht als ernsthafter Gesprächspartner wahrgenommen. Und habe das auch schon selbst erlebt. Denn:

Wie kann es sein, dass Sie

• Ihre Arbeit in der normalen Arbeitszeit geregelt bekommen - andere machen doch auch Überstunden
• nicht ständig von Meeting zu Meeting hetzen müssen
• nicht mindestens eine Telefonkonferenz am Tag haben
• nicht Ihren Schreibtisch voller Unterlagen haben
• und, und, und...

Denn nur dann ist man gut in seinem Job, hat eine verantwortungsvolle Tätigkeit, ist anerkannt, IST MAN WER.

Doch... ist das wirklich so? Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Sie sich selbst gut organisieren können und effizient arbeiten?

Seien wir doch einmal ehrlich...

... ehrlich zu uns selbst: Jeder möchte zufrieden im Beruf sein, sich bei der Arbeit verwirklichen, anerkannt im Beruf als auch im Privatleben sein. Im Beruf gehören dazu auch ein gewisser Kollegenzusammenhalt, Wertschätzung und Anerkennung durch Vorgesetzte, interessante Aufgaben und natürlich auch eine unseren Ansprüchen genügende Arbeitsatmosphäre und Arbeitsumfeld.

Doch wie häufig bleiben wir hinter den Erwartungen zurück, waren vielleicht nicht gut genug, hätten es noch besser machen können? Und wenn wir schon bei der Ehrlichkeit sind: bleiben wir dabei hinter den Erwartungen anderer zurück – oder hinter unseren eigenen Erwartungen? Wir alle haben bestimmte Ansprüche (nicht nur) an uns selbst. Unsere eigenen Ansprüche strahlen wir - häufig unbewusst - aus, mit jeder Faser unseres Körpers, unserer Wortwahl, unseren Handlungen. Unsere Aktivität, unsere Produktivität 'müssen' zunehmen, wir 'müssen' es unserem Vorgesetzten recht machen, damit er zufrieden ist, 'müssen' den Kindern etwas bieten, damit sie es später gut im Leben haben. Doch... müssen wir wirklich - oder wollen wir? Jeder Mensch hat auch seine eigenen, inneren Antreiber.

Unsere eigenen Ansprüche

Und es ist gut, dass unsere eigenen Ansprüche, unsere Glaubenssätze, uns vorantreiben. Aber muss diese Leidenschaft immer sein, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde? Experten sind sich da einig: JEIN. Denn wer nur „brennt“, voller Leidenschaft ist, immer voran will oder muss – brennt irgendwann aus, kommt ins Burn-out.

In den Arbeitsfluss kommen, mal mehr Leistung bringen, sich für ein bestimmtes Ziel oder im Job anstrengen, in Ausnahmesituationen oder bei plötzlichen Problemen länger arbeiten – das ist alles gut und richtig. Es kann auch positiven Stress erzeugen, den sogenannten EuStress. Er steigert die Leistungsfähigkeit, macht uns zufrieden, wenn wir etwas erreicht haben – was uns wiederum Selbstvertrauen gibt.

Doch chronischer Stress oder Stress „in hohen Dosen“ kann auf Dauer krank machen. Sind die Energiereserven verbraucht und der Körper kann sich nicht ausreichend erholen, sinken die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, häufig gefolgt von körperlichen Auswirkungen wie Schlafstörungen, Magen-Darm-Problemen, Hautirritationen oder Bluthochdruck. Und kann bis zum Gipfel der Stressbelastung führen: dem Burnout-Syndrom oder gar der Depression.

Routine = Stillstand?

Häufig wird uns auch suggeriert, dass wir uns weiter entwickeln müssen, Routine im Job ist nicht gut, ist Stillstand, für manche gar Rückschritt. Doch denken Sie einmal darüber nach, ob Routine in vielen Aspekten des Lebens bzw. der Arbeit wirklich so schlimm ist; überlegen Sie einmal selbst: möchten Sie zu einem Arzt gehen, der Ihre Symptome mangels Erfahrung nicht deuten kann oder Ihre Kinder in die Obhut von mit Kindern unerfahrenen Menschen geben? Oder können Sie sich vorstellen, auf ein Segelboot zu gehen - und der Skipper hat gerade erst seinen Segelschein gemacht? Möchten Sie bei einer wichtigen Ausschreibung die erforderlichen Daten allein von einem Auszubildenden oder neuen Kollegen zusammentragen und das Angebot abgeben lassen – oder würden Sie lieber noch einmal erfahrene Kollegen darüber schauen lassen?

Brechen Sie aus diesem Hamsterrad aus...

... SIE sind die Veränderung für mehr Zufriedenheit

Überlegen Sie sich, was Sie von und in Ihrem Beruf erwarten, Ihrem Privatleben, was sind Ihre Lebensziele, Ihre Pläne. Wer sich im Klaren über seine Motivation, seine Ziele ist, hat viel gewonnen: eine Idee, wie Sie Ihre Ziele erreichen können - und mehr Zufriedenheit. Um nicht im Stress oder gar im Burn-out zu landen.

Es kann einfache Mittel und Wege geben, aus der Tretmühle, dem sogenannten Hamsterrad zu kommen – lernen Sie Ihre inneren Antreiber, die Rolle Ihrer Bewertungen und Einstellungen kennen. Und wie Sie es schaffen können, Ihre persönlichen Stressverstärker zu entdecken und zu entschärfen. Das Erlernen von Entspannungstechniken ist ebenfalls hilfreich. Oft höre ich: wann soll ich das denn bitte auch noch machen? Es gibt jedoch auch Entspannungsmöglichkeiten, die nicht zeitaufwändig sind, z. B. bestimmte Atemtechniken, die Kurzform der Progressiven Muskelentspannung und andere.

Um auch morgen noch so leistungsfähig sein zu können, wie Sie es für die Erreichung Ihrer Ziele brauchen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ohne das Gefühl zu haben, im Hamsterrad zu laufen.