Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes...
Peter Hess
Körper, Geist und Seele im (Ein-)Klang

Monika Neuwinger

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Therapieziel?

Wenn Sie zur Therapie gehen, werden Sie nach einem Therapieziel gefragt bzw. was Sie erreichen wollen. Doch - was soll der Punkt Therapieziel eigentlich? Ist doch klar, Sie wollen, dass...

  •  es Ihnen wieder gut geht,
  • alles so wird, wie früher,
  • der Therapeut dafür sorgt, dass sich etwas ändert

Und dann... sollen Sie sich konkret selbst etwas überlegen, wobei das Ziel doch klar ist? Geht's noch... deswegen sind Sie doch gekommen – dass sich etwas ändert. Da verunsichert die Frage nach dem Therapieziel vielleicht erst einmal – denn was will der Therapeut überhaupt, müssen Sie sich jetzt etwas aus den Fingern saugen, damit Sie ernst genommen, gehört werden? Schließlich mussten Sie sich schon überwinden, überhaupt Unterstützung zu suchen.

Die gute Nachricht:

Nein, müssen Sie gar nicht, im Gegenteil. Denn Sie haben doch einen Grund, warum Sie Unterstützung suchen und damit auch ein Therapieziel - das können kleine Schritte sein, ein Therapieziel ist häufig gar nicht so groß. Ein paar Beispiele:

  • mich bei Kritik nicht persönlich angegriffen fühlen
  • meiner Kollegin/ meinem Kollegen sagen, dass ich nur für mein Aufgabengebiet zuständig bin
  • mich abgrenzen, wenn ich persönlich mich angegriffen fühle
  • bei einer beginnende Panikattacken ruhig atmen und mir den Teufelskreis der Angst ins Gedächtnis rufen
  • Lob annehmen können
  • wenn mir ein Hund entgegen kommt, auf der gleichen Straßenseite bleiben
  • mit der Straßenbahn in die Stadt fahren
  • und, und, und...

Jeder einzelne Punkt kann ein Therapieziel sein, manchmal gibt es auch mehrere Schritte, Ziele – und wenn das erste Ziel erreicht ist, gehen wir Schritt für Schritt weiter. Selbstverständlich können Sie Ihre Ziele immer neu überdenken und verändern; auch das kann Fortschritt in einem Therapieprozess sein.

Nach dem Prinzip: weniger ist mehr…

Das nimmt Ihnen Druck und das Gefühl von Scheitern - denn von Null auf Hundert... ist zwar machbar, aber nur mit großer Anstrengung und dem Gefühl einer so großen Veränderung, dass es häufig nicht über einen längeren Zeitraum durchgehalten wird - während ein realistisches Ziel mit Spielraum ein Erfolgserlebnis verschaffen kann. 

Vielleicht stellen Sie es sich ähnlich vor, wie Sie ein Haus oder eine Wohnung entdecken: erst einmal mit Abstand von außen. Dann geht es durch die Eingangstür – und nach und nach in jedes Zimmer, in jede Etage. Schritt für Schritt.