Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes...
Peter Hess
Körper, Geist und Seele im (Ein-)Klang

Monika Neuwinger - Traumatherapie & Psychotherapie in Köln

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Die Rolle von Bewertungen und Einstellungen

In bestimmten Situationen geraten wir in Stress, empfinden eine Belastung. Das kann auf der Arbeit sein - aber auch zu Hause. Der griechische Philosoph Epiktet hat einmal gesagt: „Es sind nicht die Dinge oder Ereignisse an sich, die uns beunruhigen. Sondern die Einstellungen und Meinungen, die wir zu den Dingen haben.“  Doch - was ist damit gemeint?

Stress - sei es durch die Arbeit, eine große Belastung oder durch VerÄnderungen - ist individuell. Unsere persönliche Stress-Lebensgeschichte und unsere inneren Einstellungen führen dazu, dass wir jede Situation auf eine bestimmte Art und Weise bewerten. Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Empfinden, eine unterschiedliche Lebensgeschichte. Was der eine als „easy going“, „einen Klacks“ empfindet, löst bei dem anderen Menschen Stress aus. Wir bewerten sowohl Situationen als auch Personen, Verhalten, Gefühle, etc. Beispiele:

  • für den einen ist das Halten einer Präsentation vor mehreren Menschen eine positive Herausforderung, während es für andere Menschen mit das Schlimmste ist, was ihnen im Berufsleben passieren kann.
  • ein bellender Hund kommt auf Sie zugelaufen - und Sie bekommen Panik. Während Ihre Freundin sich herabbeugt, dem Hund die Hand hinhält und ihn streichelt.
  • Sie möchten gern andere Länder bereisen, haben aber Flugangst und vermeiden deswegen Flüge - oder Sie steigen mit Angst an Bord. Andere schütteln darüber den Kopf, weil für sie fliegen eine ganz normale Art der Fortbewegung von A nach B ist.
  • Eine mündliche Prüfung steht an. Anja hat super gelernt dafür und ist gut vorbereitet - doch im entscheidenden Moment bekommt sie Schweissausbrüche und keinen Ton mehr über die Lippen.

Woran liegt das? Die Situation wird unterschiedlich bewertet, es kommt darauf an, wie wir eine Belastung selbst einschätzen. Dies geschieht zum einen aufgrund persönlicher Erfahrungen. Hinzu kommt, welche Möglichkeiten wir uns in der Belastungssituation ausrechnen. Anhand dessen entscheiden wir - meist völlig unbewusst - ob es sich um eine Bedrohung, eine Herausforderung oder eine absolut harmlose Situation handelt. Demensprechend reagieren wir - körperlich als auch mental. Wir richten über uns selbst - oder andere. Und fällen ein Urteil. Dabei geht es nicht nur uns so, auch andere Menschen tun das. So kann es sein, dass wir gefühlt auf Ablehnung stossen, fühlen uns nicht liebenswert, vielleicht gar als Versager. Ohne dabei zu bedenken, dass andere Menschen ebenfalls Bewertungen zugrunde legen, die wir gar nicht kennen.

Eine Möglichkeit, anders mit diesen Situationen umzugehen, ist Achtsamkeit. Prof. Jan Kabat-Zin sagte einmal: „Achtsamkeit bedeutet, dem Augenblick bewusst Aufmerksamkeit zu schenken.“ Darunter kann man verstehen, den derzeit vorhandenen Bewusstseinsinhalten wie

  • Wahrnehmungen
  • Gedanken
  • Gefühlen
  • Körperempfindungen

Aufmerksamkeit zu schenken und nicht sofort zu reagieren. Ein weiterer Kernpunkt von Achtsamkeit ist die nicht wertende Haltung gegenüber Situationen oder Erlebnissen des gegenwärtigen Augenblicks. Wenn wir es schaffen, in den oben genannten Situationen innerlich einen Schritt zurücktreten zu können, sehen wir vielleicht noch andere Wege, mit der Situation umzugehen, sie anders zu bewerten.

Um diese innere Gelassenheit - einen Schritt zurücktreten, nicht bewerten - zu lernen, gibt es verschiedene Übungen. Als einfachen, ersten Schritt und Hilfe zur Selbsthilfe empfehle ich Atemübungen, insbesondere die tiefe Bauchatmung. Versuchen Sie es doch einmal - denn: im Zweifel... für den Angeklagten. Das kann sowohl für eine Situation als auch eine Person gelten.